Roland's Tagebuch 2005

Kommentar von Dr. Nodelescu zum Jahr 1306

Das Jahr 1306 war geprägt von einem Wechsel der Vorzeichen. Nachdem im Januar die letzte Niederlassung anerkannt wurde, begann die Geschichte der „Hanse der 26“, wodurch nun das höchste aller Ziele nun zum einzigen Fokus wird – der Vollausbau. Nun hat Roland über 100 Millionen GS Bargeld, umgerechnet etwa 30 Prozent des gesamten Unternehmenswertes, wodurch es rein finanziell nicht mehr nötig ist, Konsolidierungen abzuwarten. Mit 570.000 und ein paar Zerquetschten hat Roland schon mal mehr als die Hälfte der in diesem Spiel möglichen Einwohner geschafft. Und so langsam sieht man, wie Roland die KI ihrer Walfangindustrie enteignet. In Ripen ist es schon geschehen, in London wird es langsam Zeit.

Die ersten Städte haben den Vollausbau schon geschafft oder müssen lediglich abwarten, bis alle gebauten Häuser und Betriebe voll besetzt sind. Man merkt in einigen Städten doch eindeutig die Spuren, welche die zahllosen Umstrukturierungsmaßnahmen hinterlassen haben. Ich war beinahe entsetzt, als ich merkte, dass in Newcastle nur noch Getreide und Hanf angebaut werden. Ich war dort immer andere Bilder gewohnt.

In den jüngsten Niederlassungen hat Roland schon einmal kräftig auf Vorrat gebaut. Besonders heftig ist es in Helsinki, der neuesten Siedlung. Zur Zeit sind dort nur 3617 Leute ansässig, aber das Stadtgebiet wurde schon voll ausgebaut – oder zumindest voll gesetzt. Ich konnte dort ein Gebäude finde, welches auf der Bauliste an 678. Stelle steht! Gut möglich, dass ich was übersehen habe.

Diese Aktionen sehen fast aus wie unter geistiger Umnachtung durchgeführt, wenn ich mir die riesigen Armaden an Salzsieden vor Augen führe, die man in Helsinki und Göteborg bewundern kann. Ich stell mir dann vor, die ungebauten Salzsieden wären Grabsteine und Helsinki ein Friedhof, na dann gute Nacht! Armaden hochgerüsteter Viererblöcke, die an uralte Zeiten erinnern.

Ich habe unlängst in alten Archiven herumgestöbert und ein altes Werk von Klaus007 gezogen. Ein Werk aus Zeiten, in denen die Standardkarte, auf der das Werk vollbracht wurde, noch genügend Spannung versprach, Zeiten, in denen die Routen noch zwei Stops besaßen und keinen Bestandsausgleich kannten, Zeiten, in denen noch zwei Stunden verbrachte, um so etwas Einfaches zu machen wie eine Stadt zu plündern, Zeiten, in denen man noch nicht einmal Sechserblöcke kannte. Zumindest wenn man sich bei Roland so manche Stadt ansieht, fühlt man sich doch in alte Zeiten versetzt.

Wenn 1917 die Bolschewiki nie die Oktoberrevolution durchgeführt hätten, sondern anstatt dessen einem Aufstand sich fair zur Wahl in eine ordentliche Nationalversammlung gestellt und dort verloren hätten. Wenn 1923 der eine Schuss ein paar Zentimeter weiter links oder rechts gelandet wäre und Hitlers Leben abrupt beendet hätte. Wenn die Flut und ein Kriegstreiber in Washington nicht gewesen wären und einem Herrn Stoiber nicht im letzten Moment das sicher geglaubte Kanzleramt aus der Reichweite gebracht hätten. Was mal war, was heute ist und was irgendwann mal sein wird, was nicht ist, was niemals war und auch nie sein wird, aber eben sein könnte. Diesen Eindruck bekomme ich bei der ältesten aller Niederlassungen. Nur in Reval gedenkt Roland alle Fischereien zu bauen, was man schon am Setzen der letzten Fischer dort sieht. Wenn man sich die Stadt so ansieht, sieht man etwas, was man noch nie gesehen hat, nämlich Reval mit allen Fischerhütten, aber andererseits denkt man sich, dass man sich an so etwas gewöhnen könnte oder, anders ausgedrückt, dass dieser Anblick längst selbstverständlich wäre, wenn auf der Standardkarte eine Stadt mit diesem Grundriss mit Fisch gesegnet worden wäre. Einfach wie ein Spielstand aus längst vergangenen Zeiten, der auf irgendeinem Rechner mitten im Nirgendwo gespeichert lag.

Mir schießen an den frühen Morgenstunden in den beiden Nächten, die ich mit dem Verfassen dieser Texte verbringe, die so ab 1303 losgehen, Tausende Gedanken durch den Kopf. Ich merke, wie die Qualität meiner Kommentare mit zunehmendem Spielfortschritt abnehmen, wie weit ich vom Thema abweiche und nun Elemente wie Lenin, Hitler und die CSU in meine Kommentare reinpacke, die hier eigentlich nicht rein gehören. Das ist wohl so mein Stil. Und ich merke, was für ein süchtiger und gläubiger Patrizier ich bin, dem es leid tut, wenn er seinen Glaubenspraktizierung unterbrechen muss und sich weltlichen Dingen widmen muss, beispielsweise meinem Abitur. Ich sehe schon sehnsuchtsvoll unserem nächsten Gottesdienst in Vielitz, Brandenburg entgegen.

Und obwohl es immer schwerer wird, Unsinn in den Kommentaren zu vermeiden, bin ich doch dazu verpflichtet, Roland auch noch in seinen letzten Spieljahren zu begleiten. Ich hau mir erst einmal ein Steak in die Pfanne und geh ins Bett.

Amen.